Tamikrest

Neues Album und Tourtermine auch in Deutschland

30. März 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

folker präsentiert

Das neue Album der legendären Rockband aus der Sahara mit dem Titel Assikel ist abwechselnd intim, rau und zutiefst atmosphärisch. Live aufgenommen auf analogem Tonband, fängt das Album das instinktive Zusammenspiel der Band und ihre hypnotische Präsenz in Liedern von Widerstand, Gemeinschaft und Sehnsucht voll und ganz ein. Als Gast dabei: Ibrahim Ag Alhabib von den Tuareg-Kollegen Tinariwen.

Seit zwei Jahrzehnten beleuchtet Tamikrests Musik den Klang, die Kultur und das Gewissen der Kel Tamaschek (Eigenbezeichnung der Tuareg) in der Sahara. Der Bandname bedeutet auf Tamaschek so viel wie „Verbindung“ oder „Vereinigung“, und die Gruppe ist zu einer der wichtigsten Stimmen ihrer Community geworden, indem sie auf deren Notlage aufmerksam macht und gleichzeitig Erfahrungen von Exil, Verlust und Widerstand zum Ausdruck bringt. Ihr sechstes Studioalbum, Assikel („Reise“, „Weg“), das am 15. Mai 2026 erscheint, zeigt, wie weit die Band gekommen ist.

Tamikrest wurde 2006 von Ousmane Ag Mossa und Cheikh Ag Tiglia gegründet, die beide aus dem malischen Tinzaouaten nahe der algerischen Grenze stammen, und entstand unter dem Einfluss von Tinariwen, der legendären Pioniere der sogenannten Ishumar-Gitarrenmusik (international bekannt als Desert Blues). 2008 lernten sie beim Festival au Désert im nordmalischen Essakane Chris Eckman, den Mitbegründer von Glitterbeat, und seine Band Dirtmusic kennen, was den Beginn einer langjährigen Partnerschaft mit dem Label markierte, die Tamikrest seitdem zu internationaler Bekanntheit verholfen hat. Mittlerweile sind sie ein etabliertes Quartett, zu dem 2012 der französische Gitarrist Paul Salvagnac sowie 2013 der ebenfalls aus Frankreich stammende Percussionist und Keyboarder Cédric „Momo“ Maurel stießen.

Tamikrest

Foto: Arnaud Contreras

Assikel markiert eine bewusste klangliche Neuausrichtung. Auf der Grundlage jahrelanger Tourerfahrung und Improvisation entschied sich die Band, live auf Analogband aufzunehmen – eine Idee, die zum Teil durch ihre Begeisterung für den Sound inspiriert wurde, den der Toningenieur Altın Güns, Jasper Geluk, kreiert. Die Aufnahmen fanden im Oktober 2025 über einen Zeitraum von zehn Tagen in Geluks Tone Boutique Studio im niederländischen Haarlem statt, wobei ein 16-Spur-Bandgerät aus den späten Sechzigern zum Einsatz kam.

Dieser Live-to-Tape-Prozess erforderte das volle Engagement der Band. „Wir wussten, dass wir es nicht zehnmal wiederholen konnten“, sagt Paul Salvagnac. Das Ergebnis konnte die Unverfälschtheit und Spontaneität des Aufnahmeprozesses wunderbar einfangen, während der Wunsch, zu den Wurzeln zurückzukehren, sich auch auf das Artwork des Albumcovers erstreckte.

Thematisch setzt Assikel Tamikrests Auseinandersetzung mit den Themen Vertreibung, Exil und „Assouf“ fort – jenem unübersetzbaren Wort aus dem Tamaschek, das Nostalgie, Sehnsucht und Heimweh umfasst. „Das Thema der Songs hat sich nicht wesentlich geändert, da sich die Lage zu Hause nicht verbessert hat – im Gegenteil, sie ist schlimmer geworden“, so Ousmane Ag Mossa. Die aktuelle Lage in Mali ist in der Tat dramatisch mit einer seit 2021 agierenden Junta, dem Verbot politischer Opposition, Unterdrückung der Medien, dem Abzug einer UN-Friedensmission im Jahr 2023, der Präsenz des vom Kreml kontrollierten Afrikakorps sowie täglicher Gewalt gegen eine erschöpfte Bevölkerung durch Dschihadisten, malische Streitkräfte und russische Paramilitärs.

Es überrascht daher nicht, dass die acht Tracks des neuen Albums voller Dringlichkeit und Trotz stecken, obwohl es auch zahlreiche ruhigere, nachdenklichere Momente gibt, die die Band seit jeher prägen. Die Instrumentierung verwebt E- und Akustikgitarren, schwebende Lap-Steel-Gitarre, kräftigen, dubartigen Bass, Percussion, Kalebasse und Schlagzeug, während sich die Songs von Ishumar-Rock-’n’-Roll zu hypnotischen Folkmeditationen wandeln, stets mit Ousmane Ag Mossas Stimme und seinem Geschichtenerzählen im Vordergrund.

Als weitere Gäste neben Tinariwens Ibrahim Ag Alhabib, der im Song „Eillal“ („Fata Morgana“) – seiner ersten Zusammenarbeit mit der Band, die auf einer Aufnahme festgehalten wurde – leise spricht, sind Wouter Van Asselbergh und Mahmoud Ag Ahmouden. Während der Belgier Van Asselbergh „Imanin“ („Meine Seele“) mit einer unheimlichen Synthmelodie einleitet, zeichnet der Dichter und Tamikrest-Landsmann Ag Ahmouden in „Aiytma“ („Meine Brüder“) mitverantwortlich für den Text, eine trügerisch sanfte Ballade ist, die als Aufruf zum Widerstand dient. Der Albumabschluss, „Adounia“ („Das Leben“), ist eine Hommage an den verstorbenen Mohammed „Japonais“ Ag Itlale von Tinariwen, einen von Ag Mossas frühen Mentoren.

Zwanzig Jahre nach ihrer Gründung scheint die musikalische und kulturelle Rolle Tamikrests wichtiger denn je zu sein. Der reduzierte, zutiefst atmosphärische Sound auf Assikel unterstreicht die Überzeugungskraft und spirituelle Stärke von Ousmane Ag Mossas Texten sowie die wunderbar melodischen Arrangements der Band und bekräftigt ihre Stellung als eine der führenden Stimmen der Kel Tamaschek. Die im Anschluss an die Veröffentlichung des Albums dann endlich in der Schweiz und in Deutschland wieder live in hiesigen Gefilden zu hören sein wird.

www.tamikrest.com

www.glitterbeat.com

Termine:

24.05.26 Fribourg (CH), Fri-Son

29.05.26 Basel (CH), Gannet

30.05.26 Zürich (CH), Moods

01.06.26 Berlin, Frannz Club

02.06.26 Hamburg, Kampnagel

Tamikrest

Foto: Arnaud Contreras

Aktuelles Album:

Assikel (Glitterbeat, VÖ: 15.5.2026)

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